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Vergussmasse für induktive Bauteile: Spulen, Drosseln und Transformatoren

Vergussmasse für induktive Bauteile: Spulen, Drosseln und Transformatoren

Spulen, Drosseln und Transformatoren stellen an eine Vergussmasse andere Anforderungen als eine flache Leiterplatte: Sie vereinen Wärmeentwicklung, hohe elektrische Feldstärken und empfindliche, feine Wicklungen in einem Bauteil. Dieser Beitrag zeigt, worauf es bei der Materialwahl wirklich ankommt – und welche Vergussmasse zu welcher Anwendung passt.

Auf den Punkt: Welche Vergussmasse für Spulen und Trafos?

Kurz gefasst: Für die meisten induktiven Bauteile ist ein elastisches 2K-Silikon die beste Wahl, weil es über einen weiten Temperaturbereich spannungsarm bleibt und feine Wicklungen nicht schädigt. Weiche Silikongele nehmen Sie für empfindliche oder hochspannungsführende Wicklungen, eine wärmeleitfähige Variante für stark verlustbehaftete Drosseln, und Epoxid nur dann, wenn mechanische Steifigkeit gefordert ist und die Temperaturwechsel begrenzt sind. Entscheidend ist in jedem Fall ein blasenfreier Verguss.

Warum induktive Bauteile besondere Anforderungen stellen

Vier Belastungen wirken gleichzeitig – und sie ziehen die Materialwahl teils in entgegengesetzte Richtungen.

1. Wärme aus Kupfer- und Kernverlusten

Stromwärmeverluste in der Wicklung und Ummagnetisierungsverluste im Kern erzeugen Wärme, die abgeführt werden muss. Eine Vergussmasse kann diese Wärme über das Gehäuse ableiten – sofern sie thermisch angebunden und ausreichend wärmeleitfähig ist. Wichtig ist die ehrliche Kehrseite: Ein Vollverguss kann die Entwärmung auch behindern, etwa wenn vorher Konvektion am Wickelkopf für Kühlung gesorgt hat. Bei hoch ausgelasteten Drosseln lohnt deshalb eine wärmeleitfähige Masse oder die Kombination mit einem thermischen Interface zum Kühlkörper (siehe Thermal Interface Materials).

2. Elektrische Feldstärke und Teilentladung

In Lagen- und Windungsisolation entstehen hohe lokale Feldstärken. Lufteinschlüsse, Lunker oder Blasen sind dabei die kritischen Schwachstellen: In ihnen setzen Teilentladungen ein, die das Isoliersystem über Betriebsstunden langsam zersetzen, bis es ausfällt. Deshalb ist Blasenfreiheit bei Hochspannungs-Transformatoren keine Kosmetik, sondern Lebensdauer. Die messtechnische Beurteilung erfolgt über die Teilentladungsmessung nach IEC 60270; Luft- und Kriechstrecken sowie der Verschmutzungsgrad richten sich nach der Isolationskoordination gemäss IEC 60664-1. Ein dichter Vollverguss erreicht Verschmutzungsgrad 1 und erlaubt so kompaktere Aufbauten mit kürzeren Kriechstrecken. Bei hochfrequenten Schaltwandlern beachten Sie zusätzlich die Reduktionsfaktoren für hohe Frequenzen nach IEC 60664-4.

3. Mechanische und thermische Wechselbeanspruchung

Verguss, Kupferdraht, Ferrit- oder Eisenkern und Wickelkörper haben sehr unterschiedliche Wärmeausdehnungskoeffizienten. Bei jedem Temperaturzyklus arbeiten diese Materialien gegeneinander. Eine harte, steife Masse überträgt diese Spannungen direkt auf den feinen Wickeldraht und seine Lackisolation – Drahtbruch und Isolationsrisse sind die Folge. Weiche, elastische Silikone und Gele entkoppeln dagegen spannungsarm und dämpfen zugleich Vibrationen und mechanische Resonanzen. Für feine Wicklungen mit kleinem Drahtdurchmesser ist eine niedrige Shore-Härte deshalb fast immer die sicherere Wahl.

4. Feuchte, Kondensation und Medien

Verguss schützt die Wicklung hermetisch vor Feuchte, Kondensation, Salznebel und aggressiven Medien. Silikone sind hier wegen ihrer Hydrolyse- und Witterungsbeständigkeit über grosse Temperaturspannen besonders robust. Die thermische Langzeitbeständigkeit eines Isoliersystems wird über die Wärmeklasse nach IEC 60085 eingeordnet, die Kriechstromfestigkeit der Oberfläche über die Vergleichszahl CTI nach IEC 60112.

Silikon, Polyurethan oder Epoxid?

Alle drei Chemien werden vergossen – für induktive Bauteile unterscheiden sie sich aber deutlich:

  • Silikon – weitester Temperaturbereich (typisch −50 bis +200 °C), dauerhaft elastisch, spannungsarm, teilentladungsfest. Erste Wahl für Thermowechsel, Hochspannung und feine Wicklungen.
  • Polyurethan – zäh-elastisch, guter mechanischer und Medienschutz, mittlerer Temperaturbereich. Sinnvoll, wenn Zähigkeit und Abriebfestigkeit im Vordergrund stehen.
  • Epoxid – hart, hochfest, chemikalienbeständig, aber steif: Der Unterschied im Ausdehnungskoeffizienten belastet Wicklungen bei Temperaturwechseln. Geeignet für mechanisch hoch beanspruchte, formstabile Vergussblöcke mit begrenztem Temperaturhub.

Eine ausführliche Gegenüberstellung finden Sie unter Vergussmassen & Elektrogiessharze: Epoxid, Silikon oder PU sowie zur grundsätzlichen Abgrenzung unter Potting vs. Encapsulation.

Shore-Härte richtig auf die Wicklung abstimmen

Die wichtigste Auswahlachse bei induktiven Bauteilen ist nicht die Marke, sondern die Härte:

Anforderung Empfehlung Produkte (Beispiele)
Feine/empfindliche Wicklung, Hochspannung, später reparierbar Weiches Gel / Soft-Silikon (sehr niedrige Shore) SILISIL RTV MD-Gel, MD-Soft 10, PP-Soft 00, MF-Soft 12
Standard-Verguss mit Thermowechsel und Vibration Elastisches Silikon (mittlere Shore) SILISIL RTV MF-Flex 20, PC-Flex 20, PRO-Cast 45
Mechanisch robust, formstabil Höher gefülltes/festeres Silikon SILISIL RTV MF-Dura 35, MF-Ultra 50
Transparente, hochfeste Kapselung Klares Hochleistungs-Silikon BLUESIL ESA 7250, BLUESIL RTV 3132

Wärmeableitung bei Drosseln und Transformatoren

Wo Verlustleistung anfällt, zählt die thermische Anbindung. Eine wärmeleitfähige Vergussmasse senkt die Wicklungstemperatur und verlängert die Lebensdauer – die Wärmeleitfähigkeit allein sagt aber wenig, wenn der Wärmepfad zum Gehäuse oder Kühlkörper schlecht ist. Für die Anbindung an Kühlflächen ergänzen Wärmeleitpasten wie DOWSIL 340 den Verguss. Eine höhere Wärmeleitfähigkeit bedeutet zudem meist höhere Füllung und damit höhere Viskosität – das müssen Sie bei Dosierung und Entgasung einplanen. Eine passende, gut dosierbare wärmeleitfähige Type stimmen wir gerne auf Ihren konkreten Fall ab.

Verarbeitung: blasenfrei ist Pflicht

Gerade bei induktiven Bauteilen kriecht die Vergussmasse zwischen enge Wicklungslagen – Luft, die dort eingeschlossen bleibt, wird später zum Teilentladungs-Startpunkt. Diese Punkte entscheiden über das Ergebnis:

  1. Baugruppe reinigen und vorwärmen; Wickelkörper und Gehäuse abdichten.
  2. 2K exakt im vorgeschriebenen Verhältnis mischen und vollständig homogenisieren.
  3. Im Vakuum entgasen – bei eng gewickelten Bauteilen ist das nicht optional.
  4. Langsam an einer Stelle einfüllen, damit Luft aus den Wicklungen entweichen kann; Topfzeit einhalten.
  5. Nach Datenblatt aushärten bzw. tempern; vollständige Durchhärtung abwarten.

Die vollständige Vorgehensweise steht in der Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Elektronikverguss; typische Fehlerbilder und ihre Ursachen finden Sie unter Vergussfehler vermeiden.

Wie viel Material Sie für Ihr Bauteil benötigen und wie sich die Mischmengen für Komponente A und B aufteilen, ermitteln Sie direkt mit unserem Verguss- & Formenbau-Rechner.

Unsicher bei der Auswahl?

Spulen, Drosseln und Transformatoren unterscheiden sich stark in Spannungslage, Verlustleistung und Wickelaufbau. Wenn Sie uns Bauteil, Betriebstemperatur, Spannung und Einbausituation nennen, empfehlen wir Ihnen die passende Type – und stellen Ihnen ein Muster bereit. Kontaktieren Sie uns oder schreiben Sie an info@silitech.ch.

Vergussmasse für induktive Bauteile: Spulen, Drosseln und Transformatoren
SILITECH AG, Florian Liechti 15. Juni 2026
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