Vergussmasse für Sensoren im Aussenbereich
Sensoren im Freien stehen unter Dauerbeschuss von Feuchte, UV, Temperaturwechseln und Medien. Ein Verguss schützt die Elektronik zuverlässig – darf aber die Messfunktion nicht beeinträchtigen. Genau diese Gratwanderung entscheidet über die richtige Materialwahl.
Auf den Punkt
Für Aussensensoren passt in den meisten Fällen ein weiches, UV- und witterungsbeständiges Silikon oder Gel: dicht (IP67/IP68), spannungsarm und beständig gegen Sonne und Feuchte. Entscheidend ist, dass Mess-Membranen oder optische Fenster nicht falsch vergossen werden – nicht jeder Teil eines Sensors verträgt einen starren Verguss.
Schützen, ohne die Funktion zu töten
Der zentrale Punkt bei Sensoren: Schutz und Messfunktion können in Konflikt geraten, und das Messprinzip bestimmt die Vergussstrategie. Die Membran eines Drucksensors darf nicht starr eingegossen werden – hier überträgt ein weiches Gel den Druck nahezu verlustfrei, ohne die Messung zu verfälschen. Ein optisches Fenster muss frei bleiben oder mit einem klaren Material abgedeckt werden. Kapazitive und induktive Aufnehmer dagegen lassen sich meist vollständig vergiessen. Eine harte Masse über einem empfindlichen Element erzeugt Drift, mechanische Spannung oder blockiert die Messung ganz.
| Messprinzip | Vergussstrategie |
|---|---|
| Druck / Kraft (Membran) | weiches Gel auf der Membran, druckübertragend; nie starr |
| Optisch / IR | Fenster frei lassen oder klares Material; Elektronik separat schützen |
| Kapazitiv / induktiv | Vollverguss meist unkritisch; auf konstante Dielektrizität achten |
| Temperatur | guter Wärmekontakt zum Medium, dünne Schicht über dem Fühler |
Die Belastungen im Aussenbereich
Dichtigkeit
Schutzarten wie IP67 oder IP68 sind nach IEC 60529 definiert. Ein dichter Vollverguss inklusive Kabelausgang ist der zuverlässigste Weg dorthin – sofern die Masse am Gehäuse und Kabelmantel haftet. Zur dauerhaften Tauchdichtheit (IP68) gehört auch ein haftungssicherer Kabeleintritt.
UV und Witterung
Dauer-Sonneneinstrahlung lässt viele Polyurethane und Epoxide vergilben und verspröden. Silikone sind UV- und witterungsstabil und bleiben über Jahre elastisch – für den Aussendauereinsatz die sichere Wahl.
Temperaturwechsel und Kondensation
Tag-Nacht- und Saisonzyklen erzeugen Kondensation und mechanischen Stress. Ein weites Temperaturfenster und spannungsarmes Verhalten halten die Sensorik stabil; ein dichter Verguss verhindert, dass Kondenswasser an die Elektronik gelangt.
Medien und Salznebel
Reinigungsmittel, Spritzwasser und Salznebel (Prüfung z. B. nach ISO 9227) sowie zyklische Feuchte-Wärme-Belastung (IEC 60068-2-78) fordern Chemikalien- und Hydrolysebeständigkeit – Stärken des Silikons.
Materialwahl und Produkte
Empfindliche oder druckmessende Sensoren: weiche Gele und Soft-Typen wie SILISIL RTV MD-Gel, MD-Soft 10 oder MF-Soft 12. Robustere Aufbauten ohne empfindliche Membran: elastische, giessfähige Silikone wie MF-Flex 20 oder PRO-Cast 45. Zur grundsätzlichen Abgrenzung von Voll- und Teilverguss siehe Potting vs. Encapsulation.
Verarbeitung
Reinigen, ggf. Haftvermittler einsetzen, exakt mischen, entgasen und nach Datenblatt aushärten (Schritt-für-Schritt-Anleitung, Fehler vermeiden). Die Materialmenge ermitteln Sie mit dem Verguss- & Formenbau-Rechner.
Häufige Fragen
Kann ich einen Drucksensor vergiessen? Nur die Elektronik, nicht die Membran starr. Über der Membran ein weiches, druckübertragendes Gel verwenden, damit das Messsignal erhalten bleibt.
Warum nicht einfach Epoxid? Epoxid vergilbt und versprödet unter UV und überträgt durch seine Steifigkeit Spannungen auf die Sensorik – im Aussenbereich meist die schlechtere Wahl.
Reicht ein Schutzlack? Für leichten Spritzwasserschutz teils ja; für IP67/IP68 und mechanischen Schutz im Freien ist ein Vollverguss zuverlässiger.
Beratung und Muster
Sagen Sie uns Sensortyp, Messprinzip, Einbau und Umgebungsbedingungen – wir empfehlen die passende Type und stellen ein Muster bereit. Kontaktieren Sie uns oder schreiben Sie an info@silitech.ch.