Risse im Verguss: Ursachen und Materialwahl
Ein gerissener Verguss verliert seine Schutzwirkung – Feuchte und Medien dringen ein, die mechanische Stützung ist dahin. Risse haben fast immer eine von wenigen, gut verstandenen Ursachen. Wer sie kennt, wählt das richtige Material und vermeidet das Problem von vornherein.
Auf den Punkt
Risse entstehen durch mechanische Spannungen, die das Material nicht aufnehmen kann: Temperaturschock, unterschiedliche Wärmeausdehnung, Schrumpf beim Aushärten oder Versprödung in der Kälte. Die wirksamste Gegenmassnahme ist ein elastisches Material – meist Silikon; wo Epoxid sein muss, eine zähelastisch modifizierte Type mit kontrollierter Schichtdicke.
Die vier Hauptursachen
Unterschiedliche Wärmeausdehnung
Verguss, Bauteile, Leiterplatte und Gehäuse dehnen sich unterschiedlich stark aus. Bei jedem Temperaturzyklus entstehen daraus Spannungen. Ein steifes Material überträgt sie direkt und reisst an Kerben oder Bauteilkanten; ein elastisches nimmt sie auf.
Temperaturschock
Schnelle Temperaturwechsel erzeugen kurzzeitig hohe Spannungsspitzen. Spröde, hoch gefüllte oder unterhalb ihrer Glasübergangstemperatur betriebene Materialien reissen dann bevorzugt.
Aushärteschrumpf
Manche Systeme schwinden beim Aushärten. Wird der Verguss dabei behindert (Hinterschnitte, eingebettete starre Teile), baut sich innere Spannung auf, die später als Riss freigesetzt wird. Silikone mit sehr geringem Schwund sind hier im Vorteil.
Versprödung in der Kälte
Unterhalb der Glasübergangstemperatur wird ein Material spröde. Epoxide liegen mit ihrem Glasübergang oft im Betriebsbereich; Silikone bleiben dagegen bis weit unter null Grad elastisch.
| Rissursache | Gegenmassnahme |
|---|---|
| CTE-Unterschied / Temperaturwechsel | elastisches Silikon, spannungsarm |
| Temperaturschock | flexibles Material, Kerben/scharfe Kanten vermeiden |
| Aushärteschrumpf | schwundarmes System, schichtweise giessen |
| Kälteversprödung | Material mit tiefem Glasübergang (Silikon) |
Materialwahl und Produkte
Wo Temperaturwechsel und Mechanik herrschen, ist ein elastisches Silikon wie SILISIL RTV MF-Flex 20, PC-Flex 20 oder – für empfindliche, eng gepackte Aufbauten – ein weiches MD-Soft 10 die rissresistente Wahl. Muss es aus mechanischen Gründen Epoxid sein, wählen Sie eine zähelastische Type und begrenzen Schichtdicke und Aushärtetemperatur (siehe Epoxidharz-Grundlagen). Verwandte Fehlerbilder behandelt Vergussfehler vermeiden, die Rolle der Wärmeausdehnung bei Wicklungen der Beitrag zu induktiven Bauteilen.
Häufige Fragen
Warum reisst mein Epoxidverguss bei Kälte? Wahrscheinlich liegt die Betriebstemperatur unter dem Glasübergang – das Material wird spröde. Ein elastisches Silikon bleibt in der Kälte flexibel.
Silikon statt Epoxid – verliere ich Festigkeit? Ja, an mechanischer Steifigkeit, aber Sie gewinnen Rissfreiheit über Temperaturwechsel. Die Wahl richtet sich nach der dominierenden Anforderung.
Risse trotz korrekter Mischung? Dann sind meist Schrumpf, CTE-Unterschiede oder Temperaturschock die Ursache – nicht die Dosierung.
Beratung und Muster
Nennen Sie uns Aufbau, Temperaturbereich und Geometrie – wir empfehlen ein rissresistentes Material und stellen ein Muster bereit. Kontaktieren Sie uns oder schreiben Sie an info@silitech.ch.