2K richtig dosieren und mischen: Kartusche, Statikmischer und Mischungsverhältnis
Zweikomponentige Kleb- und Vergussstoffe härten nur dann vollständig aus, wenn beide Komponenten im richtigen Verhältnis und homogen gemischt verarbeitet werden. Kartusche, Austraggerät und Statikmischer bilden dazu ein abgestimmtes System. Dieser Leitfaden zeigt, worauf es bei Verhältnis, Gerätewahl und Verarbeitung ankommt.
Auf den Punkt: sauber dosieren in sechs Schritten
- Mischungsverhältnis aus dem Datenblatt prüfen (zum Beispiel 1:1, 2:1, 4:1 oder 10:1).
- Kartusche und Statikmischer passend zu diesem Verhältnis wählen.
- Austraggerät nach Menge und Häufigkeit wählen: Hand oder Druckluft.
- Vorlauf verwerfen, bis das Material gleichmässig und durchmischt austritt.
- Gleichmässig dosieren und die Topfzeit einhalten.
- Nach Gebrauch den gefüllten Mischer als Verschluss belassen oder rechtzeitig wechseln.
Warum das Mischungsverhältnis über die Qualität entscheidet
Bei 2K-Systemen reagieren zwei Komponenten in einem festgelegten Verhältnis miteinander, etwa Harz und Härter oder Basis und Katalysator. Stimmt das Verhältnis nicht, bleibt ein Teil unvernetzt. Die Folge sind unvollständige Aushärtung und Einbussen bei Festigkeit, Temperatur- und Medienbeständigkeit. Zu viel Härter kann ebenso schaden wie zu wenig. Das Verhältnis ist deshalb keine Empfehlung, sondern eine Vorgabe. Massgeblich ist immer die Angabe auf dem Gebinde und im technischen Datenblatt.
Gängige Mischungsverhältnisse und was sie bedeuten
Das Verhältnis bestimmt die Kartuschengeometrie und den passenden Mischer. Eine 10:1-Kartusche lässt sich nicht mit einem 1:1-Gerät korrekt austragen. Die folgende Übersicht dient der Orientierung, das konkrete Verhältnis steht im Datenblatt.
| Verhältnis | Typische Verwendung (Orientierung) | Hinweis |
|---|---|---|
| 1:1 | viele Methacrylate, einzelne Epoxide und PU | einfachste Dosierung |
| 2:1 | viele Epoxide | häufigstes Verhältnis bei Epoxiden |
| 4:1 | bestimmte Epoxide und PU | Mischer auf das Verhältnis abstimmen |
| 10:1 | viele Silikone, einzelne PU | kleiner Härteranteil, Mischer besonders wichtig |
Kartuschensysteme: Doppelkartusche, F-System und A-System
SILITECH führt die gängigen 2K-Kartuschensysteme. Doppelkartuschen halten beide Komponenten bis zur Verarbeitung getrennt, gebräuchlich sind das F-System (etwa 210 ml und 400 ml) und das A-System. Kartuschentyp, Volumen und Verhältnis müssen zu Material, Austraggerät und Mischer passen. Wer System und Gerät aufeinander abstimmt, vermeidet Fehlausläufe und Materialverlust.
Hand oder Druckluft: das richtige Austraggerät
- Handgeräte wie die Sulzer Mixpac DM2X-Reihe (DM 200-01 für 1:1 und 2:1, DM 200-10 für 10:1) oder die Mixpac DP 400-Reihe für 400-ml-Kartuschen: für Einzelstücke und Kleinserien, volle Kontrolle, kein Druckluftanschluss nötig.
- Druckluftgeräte wie die pneumatische LOCTITE-Kartuschenpistole 97002: gleichmässiger Austrag bei höherer Frequenz und weniger Ermüdung, sinnvoll für Serienarbeit.
- Spritzen- und Pumpendosierung wie das digitale LOCTITE-Spritzendosiersystem 98866 oder eine druckluftbetriebene Förderpumpe: für kleine, exakt reproduzierbare Mengen, etwa in der Elektronikfertigung.
Die Auswahl richtet sich nach Verhältnis, Kartuschenvolumen und Stückzahl.
Der Statikmischer: ohne ihn kein homogenes Material
Der Statikmischer ist ein Mischrohr mit feststehenden Elementen. Er vermengt beide Komponenten allein durch den Auspressdruck, ohne bewegliche Teile. Entscheidend sind Bauart (Helix oder Quadro), die Zahl der Mischelemente und das passende Verhältnis. Ein zu kurzer oder falscher Mischer liefert kein homogenes Material, auch wenn das Verhältnis stimmt. Die Auswahl des Mischers behandelt ein eigener Beitrag.
Vorlauf und Verschnitt richtig einplanen
Zu Beginn tritt das Material oft noch nicht vollständig durchmischt aus. Dieser Vorlauf wird verworfen. Auch im Mischer verbleibt nach dem Austrag ein Rest, der aushärtet. Beides gehört in die Mengenkalkulation. Bei einer Arbeitsunterbrechung innerhalb der Topfzeit kann der gefüllte Mischer die Kartusche verschliessen. Ist die Topfzeit abgelaufen, wird der Mischer gewechselt.
Typische Fehler beim Dosieren und Mischen
- Mischer zu kurz oder falsche Bauart: das Material bleibt stellenweise untermischt und härtet nicht durch.
- Gerät oder Mischer passen nicht zum Verhältnis des Materials.
- Vorlauf nicht verworfen: die erste Menge ist nicht vollständig gemischt.
- Topfzeit überschritten: das Material zieht im Mischer an.
- Schräges oder ruckartiges Auspressen: ungleichmässiger Materialfluss.
Checkliste für die Praxis
- Verhältnis aus dem Datenblatt entnommen.
- Kartusche, Gerät und Mischer auf dieses Verhältnis abgestimmt.
- Vorlauf verworfen, Topfzeit im Blick.
- Sauberes, gleichmässiges Auspressen.
- Mischer nach Gebrauch belassen oder rechtzeitig gewechselt.
Für die Auswahl des passenden Systems aus Kartusche, Gerät und Mischer beraten wir gerne anhand Ihres Materials und Ihrer Stückzahl.