Betrachten wir einen langen Halter, der von einem Metallgehäuse absteht. An seinem Ende zieht ein Kabel. Die Klebfläche ist gross, der Klebstoff besitzt einen hohen Datenblattwert – trotzdem kann sich die Verbindung an einer Kante öffnen.
An dieser Geometrie zeigt sich, weshalb die Auswahl vor der Produktliste beginnen sollte. Angriffspunkt und Richtung der Kraft bestimmen, wie die Klebfläche beansprucht wird. Die Grösse der Fläche allein beschreibt das noch nicht.
Den Hebelarm in die Skizze eintragen
Bei idealisierter Scherung werden die verbundenen Flächen parallel gegeneinander belastet. Beim Schälen hebt sich eine Kante ab; die Beanspruchung verteilt sich anders über die Verbindung. Der abstehende Halter bringt durch seinen Hebelarm genau diese Geometriefrage ins Spiel.
Permabond empfiehlt in seinen Konstruktionshinweisen, Schäl- und Spaltbeanspruchungen zu begrenzen und Lasten über die Verbindung zu verteilen. Für den Halter werden deshalb Kraftangriff, Richtung und mögliche Nebenbelastungen eingezeichnet. Auch ein Zug am Kabel während der Montage gehört dazu. Permabond: Konstruktionshinweise, Seiten 5–6
Ein Zugversuch mit zwei überlappten Blechstreifen kann eine Materialpaarung vergleichen. Die Belastung des abstehenden Halters bildet er nur begrenzt ab. Für die Bauteilentscheidung wird deshalb auch die vorgesehene Geometrie mit ihrer Belastung untersucht.
Auf welcher Oberfläche soll die Verbindung entstehen?
«Aluminiumgehäuse» kann blankes, eloxiertes, lackiertes oder pulverbeschichtetes Material bedeuten. Bei einer Beschichtung trifft der Klebstoff zunächst auf diese Schicht. Das LOCTITE-Fachhandbuch beschreibt auch das Abreissen einer Beschichtung als mögliche Form des Substratversagens. Die Haftung der Schicht zum Grundmaterial gehört damit zur Betrachtung des Aufbaus. Henkel: Versagen des Substrats
Für das Muster werden Oberfläche und Vorbereitung so festgehalten, wie sie später entstehen sollen: Beschichtung, Reinigungsmittel, Vorgehen und Zeitraum bis zum Kleben. Ein Versuch am blanken Blech beantwortet eine andere Frage als die Verbindung auf dem fertigen Gehäuse.
Wird die Beschichtung im Versuch entfernt oder angeschliffen, gehört dieser Zustand zum geprüften Aufbau. Er muss mit Konstruktion und Fertigung vereinbar sein.
Der Klebstoff bringt einen Montageablauf mit
Zur Auswahl gehören Mischungsverhältnis, Verarbeitungszeit, Fuge und Aushärtung. Ein Beispiel aus dem Datenblatt von LOCTITE EA 9483 zeigt die nötige Genauigkeit: Harz zu Härter 2 : 1 nach Volumen, aber 100 : 46 nach Gewicht. Ansatzgrösse und Temperatur beeinflussen zudem die Verarbeitungszeit. Diese Angaben stammen aus der Produktfassung Juni 2014. Henkel: LOCTITE EA 9483
Für den Halter muss daraus ein ausführbarer Ablauf entstehen: auftragen, positionieren, Spalt halten und bis zum vorgesehenen Zeitpunkt fixieren. Die erste Bewegung und die erste Belastung gehören ebenfalls hinein.
Andere Systeme können andere Schritte verlangen. Bei Strukturacrylaten gibt es sowohl vor dem Auftrag gemischte Zweikomponenten-Systeme als auch No-Mix-Verfahren mit getrenntem Auftrag von Klebstoff und Initiator. Die Verfahrenswahl wird zusammen mit dem Produkt getroffen. Permabond: Strukturacrylate
Einen Versuch bauen, der die Kante beurteilt
Im Mustervergleich bleiben Bauteilgeometrie und vorgesehene Beanspruchung erkennbar. Die Kandidaten werden nach ihrem jeweiligen Ablauf verarbeitet; Aushärtebedingungen und Prüfzeitpunkt gehören zum Vergleich.
Das Kriterium wird vorab benannt, etwa: Die markierte Kante bleibt unter der festgelegten Belastung geschlossen. Das lässt sich eindeutiger beurteilen als «hält gut».
Nach einem Bruch werden beide Flächen betrachtet: Wo bleibt Klebstoff, löst sich Beschichtung mit, ist Metall verformt? Diese Beobachtungen helfen beim nächsten Untersuchungsschritt. Zusammen mit der gemessenen Belastung zeigen sie, was der Musteraufbau tatsächlich geleistet hat; die spätere Einsatzdauer ist eine weitere Frage.
Bringen Sie zur Materialanfrage eine Skizze mit Kraftpfeil, die Oberflächenbeschreibung und den vorgesehenen Montageablauf zusammen. Metallverklebung besprechen
Häufige Fragen
Welche Nebenbelastung sollte bereits in den Musteraufbau?
Ein vorhersehbarer Handgriff wie das Ziehen oder Biegen eines angeschlossenen Kabels. Seine Richtung und sein Angriffspunkt werden in derselben Skizze wie die Betriebsbelastung festgehalten.
Was ist nach dem Bruch für den nächsten Versuch hilfreich?
Beide zugeordneten Bruchflächen, die beobachteten Rückstände und die Prüfbelastung. Damit lässt sich unterscheiden, welcher Bereich als Nächstes untersucht werden sollte, statt sofort nur den Klebstoff zu wechseln.
Quellen
- Permabond: Product Brochure. Abruf 2026-10-25.
- LOCTITE Digital Manual:7.1.3 Substrate Failure. Abruf 2026-10-26.
- Henkel: LOCTITE EA 9483. Abruf 2026-10-25.
- Permabond: structural acrylic adhesives. Abruf 2026-10-25.


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