Loctite 638: Hochfeste Welle-Nabe-Verbindung im Detail
LOCTITE 638 ist ein anaerob härtender Fügeklebstoff für zylindrische Metallverbindungen, etwa Wellen, Buchsen und Hülsen. Henkel nennt einen Fügespalt bis etwa 0,25 mm. Die Eignung für Ihre Konstruktion und die aktuelle Lieferbarkeit prüfen wir auf Anfrage.
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Technische Grundlage: Henkel Datenblatt, Mai 2024. Die Werte darin sind typische Prüfergebnisse und keine Auslegungsgarantie.
Technische Daten
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Produkttyp | Anaerober Fügeklebstoff (Urethan-Methacrylat) |
| Anwendung | Welle-Nabe-Verbindungen, Lagersicherung |
| Farbe | Grün |
| Viskosität | Typischer Wert: 2'500 mPa·s bei 25 °C gemäss Henkel Datenblatt |
| Festigkeitsklasse | Hoch |
| Druckscherfestigkeit (Stahl) | Typischer Wert: 29 N/mm² nach 72 Stunden bei 23 °C, ISO 10123 |
| Fügespalt | Bis etwa 0,25 mm laut Henkel Datenblatt |
| Fixierzeit | Abhängig von Substrat, Fügespalt und Temperatur. Siehe Henkel Datenblatt. |
| Vollaushärtung | 24 Stunden bei 23 °C |
| Temperaturbereich | -55 °C bis +180 °C |
| Chemische Beständigkeit | Medien- und temperaturabhängig. Prüfergebnisse siehe Henkel Datenblatt. |
Funktionsprinzip: Anaerobe Härtung
LOCTITE 638 härtet anaerob aus. Henkel beschreibt die Härtung zwischen eng anliegenden Metallflächen unter Luftabschluss.
Härtungsbedingungen:
- Luftabschluss: Der Klebstoff muss zwischen zwei eng anliegenden Metallflächen eingeschlossen sein
- Metallkontakt: Aktive Metalle (Stahl, Kupfer, Messing) katalysieren die Härtung direkt
- Passive Metalle: LOCTITE 638 härtet laut Henkel auch auf Edelstahl und beschichteten Oberflächen. Ein Aktivator kann die Aushärtung beschleunigen.
- Temperatur: Die Aushärtezeit ist temperaturabhängig. Die Henkel Prüfdaten beziehen sich auf definierte Temperaturen.
Die Aushärtung hängt von Substrat, Fügespalt und Temperatur ab. Henkel zeigt die Entwicklung der Festigkeit im technischen Datenblatt. Für Ihre Anwendung sollten die Werte am Originalbauteil geprüft werden.
Anwendungen
Welle-Nabe-Verbindungen
Der Haupteinsatz des Loctite 638: Zylindrische Verbindungen zwischen Welle und Nabe (Zahnrad, Riemenscheibe, Schwungrad, Kupplungsnabe).
Ob LOCTITE 638 eine Presspassung ergänzen oder ersetzen kann, hängt von der Konstruktion und dem Lastfall ab. Die konkrete Verbindung muss technisch geprüft werden.
Lagersicherung (Bearing Retaining)
Sicherung von Wälzlagern im Gehäuse (Lagersitz) oder auf der Welle. Der Klebstoff verhindert Wandern und Mikrobewegungen des Lagerrings bei Vibrationsbelastung.
Typische Lagersitzanwendungen:
- Elektromotoren: Sicherung der Lageraussen- und -innenringe
- Getriebe: Lagersicherung der Antriebs- und Abtriebswelle
- Pumpen: Fixierung von Lagergehäusen bei Vibrationsbelastung
- Ventilatoren: Sicherung gegen axiales Wandern
Buchsen- und Hülsenverklebung
- Gleitlager-Buchsen in Gehäusebohrungen sichern
- Distanzhülsen und Abstandsringe fixieren
- Reparatur ausgelaufener Passungen (Toleranzausgleich bis 0,25 mm)
Weitere zylindrische Verbindungen
- Rotor auf Welle (Elektromotoren)
- Encoder/Sensoren auf Wellenstümpfen
- Gewindeeinsätze in Leichtmetall-Gehäusen
- Stifte und Bolzen in Bohrungen
Verarbeitung: Schritt für Schritt
1. Oberflächenvorbereitung
- Für beste Ergebnisse alle Fügeflächen mit einem von Henkel empfohlenen Reiniger säubern und trocknen lassen
- Vorbehandlung nach Herstellerangaben und Materialzustand auswählen
- Rost und lose Partikel entfernen (Schleifvlies oder Drahtbürste)
- Aktivator bei Bedarf: Zur Beschleunigung der Aushärtung kann ein von Henkel vorgesehener Aktivator gemäss Herstelleranleitung eingesetzt werden.
2. Klebstoff auftragen
- Bei Schiebesitzen den Klebstoff am vorderen Rand des Aussenteils und auf der Innenseite des Gegenstücks auftragen, wie Henkel es beschreibt
- Bei Welle: Ringförmig umlaufend auf die Passungsfläche auftragen
- Bei Bohrung: In der Bohrung verteilen oder Welle benetzten
- Produktmenge gemäss Herstelleranleitung wählen und vollständige Benetzung der Fügeflächen sicherstellen
3. Fügen
- Bauteile entsprechend der vorgesehenen Fügemethode zusammenfügen
- Leichte Drehbewegung beim Fügen fördert die Verteilung
- Überschüssigen Klebstoff an den Fugenaustrittstellen abwischen
- Bauteile ausrichten und bis zum Erreichen ausreichender Handhabungsfestigkeit nicht bewegen
4. Aushärtung
Die Teile bis zum Erreichen ausreichender Handhabungsfestigkeit nicht bewegen. Die Aushärtezeit hängt von Substrat, Fügespalt und Temperatur ab. Massgeblich sind die aktuellen Henkel Angaben und die Prüfung an Ihrer Verbindung.
Demontage: Welle-Nabe lösen
Trotz hoher Festigkeit können mit Loctite 638 gefügte Verbindungen gelöst werden:
- Thermisch: Henkel nennt bei Bedarf lokales Erwärmen auf etwa 250 °C und eine Demontage im warmen Zustand. Die Eignung für die Bauteile muss geprüft werden.
- Mechanisch: Henkel nennt Standardwerkzeuge für die Demontage. Falls nötig, kann zusätzlich lokal erwärmt werden.
LOCTITE 638 und Alternativen
Die Auswahl eines Fügeklebstoffs hängt von Werkstoffen, Fügespalt, Temperatur und Belastung ab. Für andere Produkte vergleichen wir die aktuellen Herstellerdatenblätter mit Ihren Anforderungen, bevor wir eine Alternative empfehlen.
Alternative oder Anwendung besprechen
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Funktioniert Loctite 638 auf Edelstahl?
Ja. Henkel nennt Edelstahl ausdrücklich als geeignetes Substrat für LOCTITE 638. Ein Aktivator kann die Aushärtung beschleunigen. Die benötigte Handhabungsfestigkeit sollte an der konkreten Verbindung geprüft werden.
Kann ich mit Loctite 638 ausgelaufene Passung reparieren?
Henkel nennt für LOCTITE 638 Fügespalte bis etwa 0,25 mm. Bei grösseren Spalten sollte ein dafür ausgelegtes Produkt anhand des aktuellen Herstellerdatenblatts ausgewählt werden.
Wie löse ich eine mit Loctite 638 gesicherte Verbindung?
Henkel nennt Standardwerkzeuge und bei Bedarf lokales Erwärmen auf etwa 250 °C mit anschliessender Demontage im warmen Zustand. Dabei müssen die Temperaturgrenzen der Bauteile berücksichtigt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Loctite 638 und Loctite 243?
Henkel führt LOCTITE 243 als mittelfeste Schraubensicherung für Gewindeverbindungen und LOCTITE 638 als hochfesten Fügeklebstoff für zylindrische Verbindungen. Beide Produkte härten anaerob, haben aber unterschiedliche Anwendungen. Grundlage: Henkel Datenblatt LOCTITE 243 und das oben verlinkte Datenblatt für LOCTITE 638.
Kann ich Loctite 638 für Gewindeverbindungen verwenden?
Henkel führt LOCTITE 638 als Fügeklebstoff für zylindrische Teile. Für Gewindeverbindungen ist ein dafür ausgewiesenes Schraubensicherungsprodukt anhand der konkreten Anforderungen auszuwählen.
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